Bewerbungstraining mit KI: So kann man ChatGPT oder DeepSeek nutzen
14. September 2025
Nicht nur bei Anschreiben und Lebenslauf helfen KI-Tools wie ChatGPT oder DeepSeek. Sie können auch beim weiteren Bewerbungsprozess coachen: Indem sie mögliche Fragen im Vorstellungsgespräch simulieren und Tipps geben, wie man seine Motivation am besten vermittelt.
Wir hatten hier vor kurzem bereits beschrieben, wie ChatGPT, Copilot oder DeepSeek bei der Formulierung von Anschreiben und Lebenslauf unterstützen können. Aber die KI-basierten Chatbots können noch viel mehr: Mit ihnen können sich Bewerber auch intensiv auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten.
Die KI schlägt dabei meist recht allgemein gehaltene Fragen aus unterschiedlichen Bereichen vor. Ein Bereich sind fachliche Fragen. Darin wird nach der Erfahrung gefragt oder nach Erfolgen, die man bereits in dem Job unter Beweis stellen konnte. Im zweiten Teil geht es um die Arbeitsweise, zum Beispiel, wie man unter Zeitdruck arbeitet oder mit Kritik umgeht. Der dritte Fragenkomplex zielt auf Motivation und Persönlichkeit. Dazu zählen die Klassiker, warum man sich ausgerechnet bei diesem Unternehmen beworben hat oder wo man sich in fünf Jahren sieht. Je nach Stellenausschreibung zeigt ChatGPT auch eine Auswahl möglicher Praxisfragen. Zu allen Fragen liefert der Chatbot Musterantworten gleich dazu. Andere KI-Tools wie DeepSeek fokussieren sich mehr auf konkrete Fragen, die gestellt werden könnten, beispielsweise, wie man seine Kompetenzen bisher angewendet hat oder wie man sich über die aktuellen Trends der Branche informiert.
ChatGPT, DeepSeek oder Copilot – gute Coaches mit Schwächen
In unserer Personalberatung sehen uns KI-Werkzeuge im Hinblick auf ihre Coaching-Funktion bei Vorstellungsgesprächen immer wieder an. Vieles davon ist sehr hilfreich. Bewerberinnen und Bewerber sollten jedoch genau hinsehen und die Vorschläge als Basis für eine individuelle Antwort nehmen. Oft merkt man den vorgeschlagenen Antworten an, dass sie zum Lesen generiert wurden – im Gespräch würde man sich normalerweise anders ausdrücken, mit kürzeren Sätzen und direkterer Sprache. Das gilt ebenso für die Formulierung von Anschreiben und Lebensläufen. Auch sie sollten nur als Grundlage dienen. An dieser Stelle sei noch einmal gesagt, dass persönliche Daten im Anschreiben und im Lebenslauf auf keinen Fall mit hochgeladen werden sollten. Bei den KI-Chatbots machen englische Trainingsdaten den größeren Anteil aus. Entsprechend sind die Ergebnisse in anderen Sprachen oft schlechter. Doch wer das im Hinterkopf hat und sich nicht allein auf die Ergebnisse der KI verlässt, kann sich damit auf Vorstellungsgespräche sehr gut vorbereiten.
KI-generierte Antworten nicht auswendig lernen
Für das Gespräch gibt einem ChatGPT noch einen Spickzettel mit auf den Weg und Tipps, wie man seine Stärken am besten hervorhebt. Einen „sprechfertigen Leitfaden“ gibt es auf Wunsch ebenfalls mit dazu. Auch für die Eigendarstellung zu Beginn des Vorstellungsgesprächs formulieren KI-Werkzeuge sprechfertige Präsentationsvorschläge. Als Personalberater warnen wir jedoch davor, diese Texte auswendig zu lernen und vorzutragen, denn das kommt nie gut an. Besser ist es, sich daraus Stichworte zu notieren, die man in der Vorstellungsrunde unterbringen möchte – aber mit eigenen Worten.
ChatGPT kann Vorlagen liefern, warum man der ideale Kandidat ist
Ein 100-prozentiges Match zwischen Stellenanzeige und dem eigenen Profil gibt es oft nicht. Die KI-Werkzeuge können Stellenanzeige und Lebenslauf auf Diskrepanzen prüfen und gleich gute Argumente liefern, warum man dennoch der ideale Kandidat oder die ideale Kandidatin ist. KI-Tools wissen zudem, wie man insbesondere Schwächen zwar benennt, aber sie in einem besseren Licht darstellen kann. Auch für mögliche Fangfragen schlagen ChatGPT oder DeepSeek hilfreiche Antworten vor. Denn dabei geht es meist nicht um die konkrete Lösung, sondern den Weg dahin beziehungsweise, wie der Kandidat mit einer unerwarteten Stresssituation umgeht.
Außerdem kann man seine Antworten von der KI analysieren lassen und um Feedback bitten. Für eigene Fragen im Gespräch sind ChatGPT oder DeepSeek ebenfalls gute Ideengeber. Es gibt also unzählige Möglichkeiten, sich mithilfe von KI-Chatbots auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Für alle Fragen wird man sich aber nicht wappnen können. Daher ist neben der guten Vorbereitung wichtig, im Gespräch möglichst authentisch zu bleiben.