Homeoffice oder zurück ins Büro – wie die Zukunft der Arbeit aussieht

18 Monate Corona-Pandemie haben die Arbeitswelt für viele Beschäftigte ziemlich umgekrempelt. Wo es möglich war, arbeiteten die Menschen von zuhause aus. Zeitweise herrschte sogar staatlich verordnete Homeoffice-Pflicht. Diese Vorgabe des Bundesarbeitsministeriums ist Ende Juni ausgelaufen, aber fest steht – ein Zurück zu früher wird es so nicht geben. Wie aber sieht die Zeit nach Corona aus?

Zahlreiche Studien haben gezeigt: Homeoffice ist eine Erfolgsgeschichte. Eine Befragung des Fraunhofer IAO vom Dezember 2020 ergab beispielsweise, dass die Produktivität in den meisten Unternehmen mit Homeoffice mindestens gleichgeblieben ist oder sich sogar erhöht hat. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung hatten die Forscher dafür Führungskräfte um ein Feedback gebeten. Auch Umfragen unter den Beschäftigten bestätigen das Bild. In einer Studie der Krankenkasse DAK im Jahr 2020 erklärten 57 Prozent der Befragten, dass sie zuhause produktiver arbeiten als im Büro. Ein Jahr später hat sich dieser Anteil sogar noch einmal erhöht – mehr als 60 Prozent meinen, im Homeoffice effektiver zu sein.

Die Arbeit erledigt, die Mitarbeiter glücklich angesichts gewonnener Lebenszeit, der Krankenstand niedrig und selbst die Internetverbindungen machen mit. Auch das Einarbeiten neuer Mitarbeiter klappt dank Teams oder Zoom ohne größere Probleme. Kurzum, alles funktioniert so gut, dass viele gar nicht mehr zurück möchten ins Büro.

 

Homeoffice oder Büro – die Mitarbeitenden haben die Wahl

Große Konzerne wie Hewlett Packard Enterprise oder SAP haben schon früh angekündigt, dass sie ihren Mitarbeitenden in Zukunft freistellen wollen, ob sie ins Büro kommen möchten oder lieber weiter aus der Ferne arbeiten. Beim Walldorfer Softwarehersteller waren schon vor der Pandemie bis zu vier Tage Homeoffice möglich. Inzwischen können die Beschäftigten auf Wunsch komplett von daheim arbeiten. „Bei den meisten SAP-Mitarbeitern spielt es keine Rolle, von wo aus sie arbeiten“, begründet das Cawa Younosi, Personalchef von SAP Deutschland. „Wenn es die Tätigkeit nicht zwingend verlangt, an einem bestimmten Ort präsent zu sein, haben die Mitarbeiter bei der Wahl ihres Standorts alle Freiheiten.“

 

Hybrid-Modellen gehört die Zukunft

Viele andere Unternehmen, darunter Allianz, Porsche oder Daimler, haben ein gemischtes Modell im Blick. Ein Teil in Präsenz und ein, zwei oder drei Tage Heimarbeit. Das entspricht auch den Wünschen der meisten Mitarbeitenden. Denn trotz aller Vorzüge – für immer Homeoffice kann sich nur ein Teil der Beschäftigten vorstellen. Ihnen fehlt der der persönliche Austausch, die Begegnung in der Kaffeeküche oder der kurze Weg zu den Kolleginnen und Kollegen für eine Absprache. Und letztlich freuen sich viele auch, wenn sie ihren Horizont mal wieder über die eigenen vier Wände erweitern können.

Dazu kommt, dass zwar die Technik für das Homeoffice schnell verfügbar war. Doch bei der Einrichtung mit ergonomischen Tischen oder Bürostühlen haperte es. Im aktuellen „Work Trend Index“ von Microsoft 42 Prozent geben der Befragten an, nach einem Jahr im Homeoffice noch keine passende Büro-Grundausstattung zu haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass im ersten Halbjahr 2021 mehr als ein Fünftel aller Krankschreibungen wegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparates ausgestellt wurden, wie die Krankenkasse KKH jüngst veröffentlichte.

 

Arbeitgeber haben Fürsorgepflicht

Dennoch prophezeit auch die Microsoft-Erhebung eine hybride Zukunft. So lasse sich das Beste aus beiden Welten verbinden. Doch damit es funktioniert, müssten Unternehmen etwas tun. Dazu gehöre erstmal die richtige Ausstattung des Heim-Arbeitsplatzes. Mehr Sorgen sollte Arbeitgebern ein anderes Ergebnis des „Work Trend Index“ bereiten: Mehr als jeder Zweite fühlt sich überarbeitet und knapp 40 Prozent der Beschäftigten klagen über Erschöpfung. Als Grund dafür wird die gestiegene Intensität der Arbeit genannt. Die Zeit in Meetings ist laut der Microsoft-Studie um das Zweieinhalbfache gestiegen. Auch die Zahl der E-Mails hat sich demnach deutlich erhöht. Hinzu kommen mehr spontane Besprechungen. Unternehmen laufen daher Gefahr, dass ihre Angestellten direkt auf einen Burnout oder andere stressbedingte Krankheiten zusteuern. Entscheidend, so die Autoren der Studie, ist daher die Arbeitsbelastung zu reduzieren und der digitalen Erschöpfung vorzubeugen. Neben der Priorisierung von Aufgaben heißt das für sie auch mehr Personal.

 

Ohne Teamkultur geht es nicht

Auch die Teamkultur hat sich angesichts der Verlagerung ins Homeoffice gewandelt. Umso wichtiger ist es für Unternehmen den Zusammenhalt im Team weiterzuentwickeln. Die Förderung der sozialen Interaktion ist dafür ein entscheidender Bestandteil. In vielen Teams gibt es das schon – in Form von virtuellen After-Work-Treffen oder dem gemeinsamen Kaffee vor dem Bildschirm. Ein Social Intranet ist eine andere Möglichkeit für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich auszutauschen und Feedback zu geben. Gleichzeitig ist Flexibilität beim Management gefragt. Starre Arbeitszeitmodelle passen nicht zur Arbeitswelt 4.0. Ebenso wenig wie streng hierarchische Führungsstile.

 

Büro als Treffpunkt

Einige Unternehmen planen angesichts der Veränderung der Arbeitswelt bereits ihre Büros um. Im Mittelpunkt steht dann nicht mehr der klassische Arbeitsplatz, sondern vielmehr eine Begegnungsstätte. Dort können sich die Beschäftigten zu Workshops, Konferenzen oder einfach nur zum persönlichen Austausch treffen. Im Büro der Zukunft gibt es Meetingräume, in denen man sich in kleinen Gruppen zusammensetzen kann. In Firmen, die Wechselmodelle anbieten, ist ein Kontingent von Arbeitsplätzen für Menschen vor Ort eine Alternative. Das Büro hat also noch lange nicht ausgedient. Dennoch könnten zumindest der eigene Schreibtisch oder das eigene Büro in vielen Unternehmen nach Corona Geschichte sein.

 

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