Wie die Generation Y das Personalwesen verändert

Wie die Generation Y das Personalwesen verändert

Wenn die sogenannte Work-Life-Balance vor harter Arbeit rangiert, die Unternehmensführung nicht mehr das Karriereziel ausmacht und archetypisch angesehene Werte in Frage gestellt werden, dann sprechen Medien häufig von der „Generation Y”. Bereits in voraussehbarer Zeit werden mehr als Dreiviertel der arbeitenden Bevölkerung dieser Altersgruppe angehören. Dies bringt eine Vielzahl neuer Herausforderungen mit sich und hat bedeutsamen Einfluss auf das Personalwesen.

Es gilt auszumachen, welche Werte diese Generation verkörpert und wie die Potenziale dieser angehenden Arbeitskräfte ausgeschöpft werden können. Inwiefern die Chefs von morgen die Art der Vorgänger übernehmen werden, ist eines der spannendsten Fragen im sich wandelnden Personalwesen. Neue Führungsstile werden unumgänglich sein und sich passend zum Verantwortungsbewusstsein dieser Generation entwickeln. Im Folgenden sollen Eigenschaften sowie Wertvorstellungen der Generation Y erläutert werden, um die damit verbundenen Auswirkungen untersuchen zu können.

Wer ist die Generation Y?

Als Nachfolger der Generation X unterscheidet sich die Generation Y insbesondere in Sachen Status und Prestige – Werte, die in der der Vergangenheit von permanenter Bedeutung waren. Zur Generation Y zählt die Bevölkerung, die zwischen den Jahren 1980 und 1998 geboren ist. In bereits jungen Jahren, wurde diese Generation kontinuierlich mit der prosperierenden Globalisierung sowie Digitalisierung konfrontiert. Sie fällt durch ein ständiges Hinterfragen von bisher selbstverständlich empfundenen Sachverhalten auf und zeichnet sich durch ihre Individualität aus. Daher wird die Generation Y oftmals auch als Generation „Why” beschrieben.

Zu den bedeutsamsten Wertschätzungen der Generation Y zählen folgende Merkmale:

• Flexible Arbeits- und Lebensverhältnisse
• Teamorientiertes Arbeiten
• Karrierechancen
• Herausforderungen
• Kontinuierliches Weiterbilden
• Ausreichende Bezahlung

Der Einfluss dieser jungen Generation auf das Personalwesen

Es lässt sich schnell feststellen, dass sich die Generation Y erheblich von den vorherigen Generationen unterscheidet. Einen bedeutsamen Einfluss auf das veränderte Berufs- und Karriereverhalten haben die vielen technischen Innovationen und die damit verbundene Digitalisierung. Auch die Motivation und Einstellung der heutigen Generation weist spürbare Unterschiede auf.

Bei der Auswahl des Arbeitgebers stehen Werte wie Sicherheit, Unabhängigkeit, Ansehen sowie herausfordernde Arbeit im Vordergrund. Die damit angepassten Zielsetzungen des beruflichen Werdeganges gilt es zu verstehen, sodass ein passendes Arbeitsumfeld geschaffen wird und potenzielle Mitarbeiter möglichst langfristig an Standorte gebunden werden. Es entsteht ein Verlangen nach flachen Hierarchien, wobei es der Generation Y wichtig ist mitzubestimmen und verantwortungsvolle Rollen einzunehmen.

Hohe Priorität für private Werte

Private Werte erhalten bei der Generation Why ein hohes Ansehen und Arbeit hat die Rolle der absoluten Priorität längst abgegeben. Das Streben nach der sogenannten Work-Life-Balance, also ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben, ist die Reaktion auf die angesprochene Werteverschiebung. Bei Arbeitsbedingungen wird akribisch auf Familienbewusstsein geschaut, was sich durch den wieder aufstrebenden Trend der Familiengründung belegen lässt. Die Generation Y erwartet, dass Führungspositionen die Bedeutung von Freizeit und Familie verstehen und Karrierechancen dementsprechend anpassen.

Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten

Die bereits angesprochene Wertschätzung der Unabhängigkeit und Flexibilität spiegelt sich im Wunsch nach Entscheidungsfreiheit und selbstbestimmenden Arbeitszeiten wieder. Dennoch gilt die Generation Y als äußerst leistungsorientiert und misst Erbrachtes an Ergebnissen und nicht am Arbeitsaufwand bzw. der Präsenzzeiten im Unternehmen.

Das ermöglichen von längeren Auszeiten und das Streben nach Teilzeitarbeit, Gleitzeit oder Homeoffice gehört zu den Wünschen der Generation Y in Bezug auf ihre Arbeitsverhältnisse. Das Lockern von strengen Arbeitszeiten spiegelt sich vor allem durch erhöhte Motivation und Arbeitseinstellung wieder. Faktoren wie Selbstbestimmung, gute soziale Arbeitsbeziehungen und Arbeitsplatzsicherheit haben einen höheren Stellenwert als Faktoren wie Vergütung oder Prestige. Ein Streben nach einer Verknüpfung von Lebensgenuss und Leistung war in früheren Generationen bereits wahrnehmbar. Der entscheidende Unterschied ist, dass die Generation Y diese Wünsche vom Arbeitgeber einfordert.

Motivation durch Spaß?

Es lässt sich vermuten, dass die Generation „Why” erheblich mehr Wert auf den Spaß bei der Arbeit legt als es in den Vorgänger Generationen der Fall war. Dies lässt sich jedoch mit Studien wie die Kienbaum-Studie 2010 als falsch nachweisen. Generationsübergreifend stellen Faktoren wie Spaß und Freude am Arbeitsplatz weiterhin die wichtigsten Einflüsse auf die Motivation der Arbeitnehmer dar. Sinngebende und anspruchsvolle Arbeitsaufgaben sowie Verantwortung gehören zu den Kernkomponenten, die für ein positives Arbeitsklima sorgen.

Gemeinschaft und Teamwork

Die Generation Y fühlt sich besonders wohl in einem Arbeitsumfeld, welches Gemeinschaft fördert und vor allem seinen Mitarbeitern mit Respekt begegnet. Ein ausgeprägtes Teamwork ist von hohem Stellenwert und den Arbeitnehmern gilt es, das nötige Vertrauen in deren Tätigkeit zu geben. Leistung wird insbesondere durch gut entwickelte soziale Beziehungen im Unternehmen gefördert. Diese haben ebenfalls einen bedeutsamen Einfluss auf die Motivation der einzelnen Mitarbeiter.

Das Verlangen nach mitbestimmenden Rollen

Die Generation Y legt einen hohen Wert auf Objektivität und Ehrlichkeit im eigenen Unternehmen. Hierfür legt eine transparente Kommunikation die Grundlage für gegenseitige Wertschätzung zwischen Kollegen sowie zu Führungskräften. Es besteht der Wunsch nach flachen Hierarchien, so dass Kommunikation auf Augenhöhe frühere Autoritätsverhältnisse ersetzt. Die Generation Y fordert bei wichtigen Entscheidungen eine mitbestimmende Rolle ein, um ihr Bedürfnis an Mitwissen, Mitdenken und Mitbestimmen zu berücksichtigen.

Anpassungsfähigkeit bereits im Personalwesen

Es wird deutlich, dass dem Personalwesen einige Herausforderung und auch Probleme entgegenkommen. Die Verschiebung von Werten der heranwachsenden Arbeitsbevölkerung zwingt Unternehmen neue Strategien zu entwickeln. Der Sinn bei der Arbeit sowie Flexibilität und Unabhängigkeit heben sich von den genannten Wertschätzungen der Generation Y hervor und somit sind Status Faktoren wie Geld und Prestige nicht mehr ausreichend, um das Vertrauen der Generation Y zu gewinnen. Dennoch muss es das Ziel sein, bereits im Personalwesen die nötigen Stellschrauben anzupassen und somit hohe Personalfluktuationen zu vermeiden. Mit dem erforderlichen Hintergrundwissen gilt es, die Potenzialträger der Generation langfristig an Unternehmen zu binden und mit passenden Arbeitsverhältnissen Motivation und Leistung kontinuierlich hoch zu halten.